Thema: Das Auge sieht die Form, das Herz spürt den Wert

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Das Auge sieht die Form. Das Herz spürt den Wert

Manchmal sind es nicht die großen Gesten, die Teams tragen – sondern der Blick füreinander im Kleinen. Wertschätzung ist dabei kein Extra für Tage, an denen alles leicht ist, sondern eine bewusste Entscheidung: heute ein bisschen Wärme in den Alltag zu legen – und damit vielleicht genau den Moment zu schenken, den jemand gerade gebraucht hat.

„Das Auge sieht die Form. Das Herz spürt den Wert.“ Über diesen Satz habe ich mit Silke Rymkuss ein wunderbares Gespräch für AUFLEBEN.online geführt. Drei Punkte sind mir dabei ganz besonders nachhaltig geblieben:

Auf meine erste Frage, was wir im Berufsalltag tun können, um wieder zu erkennen, wie wertvoll unsere Teamkolleginnen sind, sagte Silke Rymkuss zu meiner Überraschung: „Es ist okay, wenn man nicht mit allen Menschen gut Freund werden kann.“ Gerade in Teams wird das ja oft erwartet. Es ist in Ordnung, wahrzunehmen: Dieser Mensch wird wahrscheinlich nie mein*e Freund*in werden – und gleichzeitig sehe und kenne ich die Stärken dieses Menschen.

Weiters hat Silke darüber gesprochen, was ein einfaches, freundliches „Guten Morgen“ alles bewirken kann. Wie gut das tut, durfte ich vor kurzer Zeit bei einem Werkstättentermin selbst erleben. Ein junger Mechaniker bemerkte mich an einem Wintermorgen auf dem noch dunklen Parkplatz der KFZ-Werkstätte und rief mir ein „Guten Morgen“ zu. Es wirkt wie eine Kleinigkeit – und doch war es ein schöner Start in den Tag und ein wohltuendes Gefühl, gesehen zu werden.

Über den dritten Punkt haben wir uns länger unterhalten. Silke betonte, wie wichtig das Sehen und das Nachfragen für eine wertschätzende Haltung ist. Ein kurzer Satz wie „Heute gefällt mir deine rote Strumpfhose“ zaubert dem Gegenüber ganz sicher ein Lächeln ins Gesicht. Und auch eine Frage wie „Du wirkst heute müde – kann ich etwas für dich tun?“ hat damit zu tun, die andere und den anderen wirklich wahrzunehmen.

Dazu passt auch eine kleine Alltagsgeschichte: Als ich in einer Kinderkrippe gearbeitet habe, waren wir ein sehr kleines Team. Da spürt man schnell, wenn es der Kollegin nicht so gut geht. Wer kennt es nicht, dass man es auf sich bezieht und glaubt, man habe etwas falsch gemacht, weil die Laune der*des anderen nicht so gut ist. Doch diese eine kleine Frage, dieses kurze Angebot, konnte oft die grauen Wolken durchbrechen: „Du siehst heute müde/traurig/gestresst aus. Was brauchst du, damit du besser in den Tag starten kannst?“

Ganz ehrlich: Manchmal kostete es Überwindung, etwas von sich preiszugeben. Doch das Verständnis für die nicht so prächtige Laune und ein paar Minuten, in denen man den Rücken frei bekommen hat – um zum Beispiel Papier zu ordnen, etwas zu putzen oder in Ruhe eine Tasse Tee zu trinken – haben meistens geholfen, wieder Ordnung in die eigenen Gedanken zu bringen und besser in den Tag zu starten. Dieses Angebot anzunehmen und es der Kollegin anzubieten – beides war ein wunderbares Gefühl. An diese Wertschätzung durch Verständnis und die Momente für ein kleines Reset denke ich bis heute gerne und dankbar zurück.

  • Selbstverständlich gibt es das ganze Gespräch Das Auge sieht die Form, das Herz spürt den Wert mit Silke Rymkuss hier auf AUFLEBEN.online zum Nachlesen. 
  • Mit dem Herzen sehen ist ein Beitrag von Phillip Tengg. Er schreibt darüber, warum der kleine Prinz eine pädagogische Lerngeschichte sein kann und warum die biblische Dimension des Gesehen-Werdens ebenso wichtig für unseren Berufsalltag ist.
  • Was Menschen aber nach wie vor brauchen werden, sind soziale und persönliche Kompetenzen. Wie wichtig diese Kompetenzen und Wertschätzung als Gegenpol zu KI und steigender Technisierung sind, darüber spricht Eva Niederegger mit Barbara Gross in dem Gespräch Empathie, Respekt und Wertschätzung im pädagogischen Alltag.
  • Wie ich mit ehrlichem Mitteilen in friedlichen Kontakt mit mir selbst und anderen komme, darüber schreibt Gabriele Czerny in ihrem Beitrag Ich bin einzigartig.

Ich wünsche schöne Momente der Wertschätzung, in denen wir uns bewusst wahrnehmen und positive Momente teilen. Und noch ein Tipp für mehr Wertschätzung im Berufsalltag: folge dem Tag Wertschätzung und die findest noch einige Beiträge zum Thema. 

Alles Liebe,
Elke Pallhuber
 

Wenn du und dein Team bei der Woche der Wertschätzung mitmachen, bitte lass es und wissen, wie es euch ergangen ist. Und wenn du Foto in den Sozialen Median postest, dann verwende den #wochederwertschätzung. Wir freuen uns, wenn wir diese schönen Momente miterleben können.
 

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Elke Pallhuber
Elke Pallhuber

Elke Pallhuber ist pädagogische Mitarbeiterin im k+lv und im Redaktionsteam von AUFLEBEN.online.

Dieser Artikel erscheint unter Creative Commons, BY-NC-SA.

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