Wie Schule ein Ort des Wohlfühlens wird (1)

Vor drei Jahren durfte ich die Schulleitung einer Innsbrucker Volksschule, in der Kinder, ihre Eltern sowie Lehrkräfte vieler verschiedener Nationen, Religionen und Lebenseinstellungen zusammentreffen, übernehmen. Die Schule wird von fast 400 Kindern besucht und rund 60 Mitarbeiter*innen sind für diese da. Corona war damals noch voll im Gange.
Die Ängste und Unsicherheiten, die diese Zeit mit sich brachten, waren bei allen spürbar. Dies alles war ein Mitgrund, mir folgendes oberstes Ziel zu setzen:
einen Ort zu schaffen, in dem ein respektvolles und wertschätzendes Miteinander von allen gelebt wird.

Schule darf in der heutigen Zeit nicht nur als Bildungseinrichtung gesehen werden, sondern Schule muss auch eine Umgebung sein, in der sich Schülerinnen und Schüler wohl und vor allem sicher fühlen können. 
Die Schaffung eines Ortes des Wohlfühlens heißt für mich auch, dass Schule gewaltfrei sein muss. Eine gewaltfreie Schule erfordert einen umfassenden Ansatz, der die Zusammenarbeit von Lehrpersonen, Schüler*innen sowie Eltern umfasst. Es geht darum, eine Kultur des Respekts, der Verantwortung und des gemeinsamen Engagements zu fördern. Dies funktioniert jedoch nur, wenn wir Erwachsenen dies vorleben und den Kindern die Möglichkeit geben, Konfliktsituationen im geschützten Rahmen zu üben. Dies wurde auch in unserem Leitbild festgehalten.

Ein rotes, ein lila, ein dunkelblaues, ein hellgrünes und ein gelbes Puzzleteil
Jedes dieser Puzzleteile steht im Leitbild der VS Neuarzl für die Vielfalt an der Schule. Credits: VS Neuarzl

Warum ist dies alles so wichtig?

Eine positive Lernumgebung ist meines Erachtens entscheidend für den Erfolg von Schüler*innen – sie trägt maßgeblich zu ihrem Wohlbefinden, ihrer Motivation und ihrer Lernbereitschaft bei. Ich möchte hier einige Schlüsselfaktoren nennen, die zu einer positiven Lernumgebung beitragen können:

  1. Sicherheit und Geborgenheit
    Schüler*innen sollten sich sicher und geborgen fühlen, um optimal lernen zu können. Dies umfasst physische Sicherheit in den Klassenräumen, aber auch das Gefühl, dass alle Meinungen respektiert und akzeptiert werden.
  2. Klare Erwartungen und Struktur
    Eine klare Struktur und klare Erwartungen tragen dazu bei, dass Schülerinnen und Schüler wissen, was von ihnen erwartet wird. Dies schafft eine Umgebung, in der sie sich auf ihre Lernziele ohne Unsicherheiten konzentrieren können.
  3. Positive zwischenmenschliche Beziehungen
    Gute Beziehungen zwischen Lehrpersonen und Schüler*innen sowie unter den Kindern fördern ein positives Klima. Ein respektvoller und unterstützender Umgang miteinander trägt dazu bei, dass die jungen Menschen gerne in die Schule kommen und sich engagieren.
  4. Stärken stärken
    Menschen haben unterschiedliche Talente, Fähigkeiten und positive Eigenschaften. Das Prinzip „Stärken stärken" beginnt damit, diese Stärken zu erkennen und ihnen Aufmerksamkeit zu schenken. Leider wird das Augenmerk meist auf das gelenkt, was man nicht so gut kann – daher braucht es einen Umdenkprozess bei uns allen. Wenn die Lehrpersonen die Stärken der Kinder erkennen und diese fördern, wird dadurch das Selbstwertgefühl gestärkt und das Kind lernt auch besser, seine Schwächen anzunehmen.
  5. Vielfalt und Inklusion
    Eine positive Lernumgebung sollte die Vielfalt der Schülerschaft berücksichtigen und eine inklusive Atmosphäre fördern. Dies schafft ein Gefühl der Zugehörigkeit und unterstützt alle Schülerinnen und Schüler in ihrer individuellen Entwicklung.
  6. Interaktive und engagierte Unterrichtsmethoden
    Abwechslungsreiche und ansprechende Unterrichtsmethoden, die die aktive Beteiligung der jungen Menschen fördern, tragen dazu bei, dass der Unterricht interessant und motivierend ist.
  7. Ressourcen und Ausstattung
    Eine gut ausgestattete Lernumgebung mit ausreichenden Ressourcen, moderner Technologie und einem ansprechenden Klassenraumdesign kann ebenfalls das Lernumfeld positiv beeinflussen.
  8. Förderung von Selbstständigkeit und Eigenverantwortung
    Die Schülerinnen und Schüler sollten ermutigt werden, selbstständig zu denken, zu lernen und Verantwortung für ihren eigenen Bildungsweg zu übernehmen. Dies fördert eine positive Einstellung zum Lernen.
Ein Buch liegt offen auf einem Tisch. Rund um das Buch ist eine gelb-rote Schnur. In der Mitte des Buches ist die Schnur zu einem Herz geformt.
Cornelia Walder
Cornelia Walder Dipl.-Päd. BEd.

Cornelia Walder ist ehemalige Schulleiterin der Volksschule Neuarzl in Innsbruck und aktuell Schulleiterin der Praxisvolksschule.

Dieser Artikel erscheint unter Creative Commons, BY-NC-ND.

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