Gesunde Schule 4.0: Mit digitaler Resilienz selbstbestimmt die Zukunft gestalten (1)

Was versteht man unter digitaler Resilienz im Kontext von Schulen? Wie kann unter diesem Gesichtspunkt Medienkompetenz in einer Gesunden Schule entwickelt werden?

Dieser Artikel richtet sich insbesondere an Schulleiter*innen, die daran interessiert sind, ein Bewusstsein für die digitale Resilienz ihrer Schule zu entwickeln und den Transformationsprozess hin zu einer Gesunden Schule 4.0 aktiv mitzugestalten.

Die Digitalisierung und damit einhergehende Transformationsprozesse bringen für Schulen zahlreiche Veränderungen und Herausforderungen mit sich, die alle Ebenen des Schulalltags betreffen. Digitale Resilienz bezeichnet vor diesem Hintergrund die Wandlungs- und Widerstandsfähigkeit in digitalen Kontexten. Sie ist eine wesentliche Voraussetzung für eine Schule, um digitalen Herausforderungen erfolgreich zu begegnen. Dazu gilt es, neue Kompetenzen und Kapazitäten auf systemischer Ebene zu entwickeln, die über einen individuellen, nutzerzentrierten Ansatz hinausgehen und normative Perspektiven auf gesellschaftliche Strukturen und soziale Verantwortung eröffnen. Die digitale Transformation betrifft den ganzen Bildungsprozess und nicht nur einzelne Teile davon. Dabei soll der Einsatz digitaler Medien Zukunftskompetenzen fördern und Lernende befähigen, an der rasanten technischen Entwicklung aktiv teilzunehmen. Hier zeigt sich die zentrale Bedeutung einer Medienkompetenz, die nicht nur den kritischen Umgang mit Informationen betrifft, sondern auch gesundheitsrelevante Themen wie Bildschirmzeit oder Konnektivität. Im Zuge dieser neuen Herausforderungen sind drei Bereiche für die Arbeitszufriedenheit von Schulleitungen und Lehrpersonen sowie die Lernmotivation von Schüler*innen von Bedeutung:

  1. Digitales Equipment & Konnektivität
    (barrierefreie Ausstattung)

  2. Digitale Medien
    (Medienkompetenz)

  3. Professionalisierung und Schulentwicklung
    (IT – Fort- und Weiterbildung)

Ergänzende Fact Sheet HBSC Studie zu Medienkonsum: www.sozialministerium.at

Im Folgenden werden die wesentlichen Bereiche vorgestellt und mit nützlichen Checklisten angereichert.

1) Barrierefreies digitales Equipment, Konnektivität und adäquate Nutzungsbedingungen

Jede Bildungseinrichtung muss sich im 21. Jahrhundert mit alltäglichen technischen Fragen wie WLAN und ausreichender Stromversorgung auseinandersetzen. Eine genaue Planung der Hardware ist möglich, wenn ein pädagogisches Konzept zur Medienerziehung vorliegt und die Nutzer*innen eine gemeinsame Vorstellung davon haben, welche Technik in welchen Räumen eingesetzt werden soll. Die ausreichende Ausstattung mit digitalem Equipment ist zentral für die Partizipation an Bildungsprozessen. Darüber hinaus eröffnen sich neue Gestaltungs- sowie Kooperationsmöglichkeiten unabhängig von Ort und Zeit.

Eine barrierefreie Ausstattung mit digitalem Equipment betrifft drei Ebenen:

  • Nutzbarkeit: Ist die Ausstattung zugänglich für alle Lehrpersonen und Schüler*innen?

  • Funktionalität: Sind einzelne Komponenten sinnvoll miteinander verbunden (Konnektivität)?

  • Anwendbarkeit: Ist ausreichend Wissen zur Nutzung vorhanden?

Wie die inzwischen jahrzehntelange Erfahrung im Umgang mit digitalen Medien an Schulen belegt, ist es fatal, Schulen mit Hardware auszustatten und anzunehmen, ohne eine systematische Vorbereitung könne eine solche Anschaffung auch erfolgreich sein. Beispiele für die enorme Vergeudung von Ressourcen gibt es in der jüngeren Vergangenheit genug. Besonders aufhorchen ließ aber im Jahr 2023 die Anschaffung von 14.000 IPads durch die Stadt Wuppertal, die mit 9 Millionen Euro über die europäische Union gefördert wurden. Nach mehreren Monaten lagen 60 % der teuren Tablets unausgepackt in den Lagern der Schulen, weil sich vorher niemand Gedanken darüber gemacht hatte, welche Rahmenbedingungen für eine gute Implementierung der Geräte notwendig sind.
(vgl. https://www1.wdr.de/nachrichten/rheinland/ipad-probleme-wuppertal-100.html)

Im Bundesland Tirol sieht die Situation seit etwa 20 Jahren vollkommen anders aus. Denn hier beschäftigen sich die Mitarbeiter*innen des Teams von TiBS Technik intensiv mit Themen wie Beratung, Installationshilfe, Support, Workshops und Fortbildungen. Vor dem Kauf von Geräten sollte daher unbedingt eine ausführliche Abstimmung mit den zuständigen Technik-Expert*innen erfolgen. 


Checkliste (mind. 5 von 8)

Digitales Equipment (= Hardwareausstattung): Die Schule ist ausreichend mit digitalem Equipment ausgestattet.

  1. Eine Orientierung dazu bieten die IT-Ausstattungsempfehlungen für Pflichtschulen (VS, MS, PTS) am Kustodenportal tibs.at unter IT-Standards bzw. für Bundesschulen der BMBWF-Leitfaden: Empfehlungen zur Nutzung digitaler Technologie an Schulstandorten
  2. Internetzugang: Das Internet ist für Lehrpersonen und Schüler*innen nutzbar, die Schule ist mit WLAN ausgestattet.
  3. Internetgeschwindigkeit: Die Internetgeschwindigkeit beträgt je digital genutztem Raum mind. 16 MBit/s.
  4. Netzwerk- und Datensicherheit: Netzwerke und Daten sind vor Fremdzugriffen ausreichend geschützt (Passwörter, Firewall, Antivirensoftware).
  5. Datenschutz: Lehrpersonen und Schüler*innen sind ausreichend im Datenschutz geschult.
  6. Hardware-Update: Die Hardware wird regelmäßig auf den neuesten Stand gebracht; dazu gibt es ein Infrastrukturkonzept und/oder einen Tauschzyklus.
  7. Software-Updates: Veraltete Software wird aktualisiert.
  8. Ergonomische Arbeitsplätze: Grundvoraussetzungen (Stühle, Tische, Beleuchtung etc.) für eine ergonomische und schonende Mediennutzung
     

Weitere Impulse für die Umsetzung

  • Konzept für eine digitale Schule erstellen und beim 8-Punkte-Plan einreichen
  • Bedeutungsvoller Einsatz digitaler Medien ist Thema in der Schulentwicklung: Es gibt ein formuliertes Entwicklungsziel, das die Schule anstrebt.
  • Im Sinne der Nachhaltigkeit auch eine Refresh-Strategie (neuaufgesetzte Geräte aus EDV-Räumen zu frei zugänglichen Arbeitsinseln im Schulhaus für Schüler*innen „upcyclen”)
  • Die veraltete Software wird erneuert und auf den „neuesten” Stand gebracht.
  • Für die Arbeit an Bildschirmen werden adäquate Grundvoraussetzungen und Änderungen (Stühle, Tische, Beleuchtung etc.) für eine ergonomische und schonende Mediennutzung – entlastend für Augen, Nacken, Schultern und Rücken etc. – geschaffen.

Mehrteiliger Beitrag

Gesunde Schule 4.0: Mit digitaler Resilienz selbstbestimmt die Zukunft gestalten (2) erscheint am 24.06.2024

Andreas Kecht
Andreas Kecht Mag.phil. Mag.rer.nat.

Andreas Kecht ist Erziehungs- und Bildungswissenschafter, Medienpädagoge und Kommunikationswissenschafter und Psychologe.

An der Pädagogischen Hochschule Tirol ist er Institutsleiter-Stv. und Bereichsleiter für Landesweite und regionale Lehrveranstaltungen am Institut für Personal- und Organisationsentwicklung. Er unterrichtet in der Aus-, Fort- und Weiterbildung von Lehrer*innen und Schulleiter*innen.

Dieser Artikel erscheint unter Creative Commons, BY-NC-SA.

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