Singen spült den Staub von der Seele

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... und beim gemeinsamen Singen macht das "Abstauben" noch mehr Spaß. Auch wenn wir es oft anders erfahren haben, beim Singen geht es nicht immer um Perfektion. Singen ist Freiheit, Singen macht glücklich und das Singen in einer Gemeinschaft verbindet. 

Eine besondere Erfahrung

In einem Chor zu singen, ist eine besondere Erfahrung, man lernt verschiedene Menschen kennen, trifft dort Bekannte, man tauscht sich aus und noch vieles mehr. Jede und jeder kommt aus dem Alltag in die Probe. In dieser Gemeinschaft werden alle eins, man verbindet sich in den Stimmgruppen und im ganzen Chor.

Es gibt Studien, die unterschiedlichste positive Effekte des Chorsingens belegen. Angefangen bei der Stärkung des Immunsystems über bessere Atmung und Stimmführung bis hin zu angepasster Atem- und Herzfrequenz während des Singens, findet man die unterschiedlichsten Vorzüge. 

Es bleibt keine Zeit, darüber nachzudenken, was beispielsweise in der Arbeit noch liegengeblieben ist, oder dass zu Hause die Waschmaschine warten würde. Sobald die ersten Töne den Raum erfüllen, der Blick auf das Notenblatt fällt, verbindet Musik Menschen und lässt sie dem Alltag entfliehen.

Der Chor: eine gemeinsame Klangwolke

In jeder Probe darf ich diese Erfahrung wieder und wieder, selbst als Chorleiterin, machen. Trotz voller Konzentration und Anleitung für meinen Chor gibt es mir ein Gefühl von Freiheit und im Moment sein. Nur allzu oft komme ich als Mama von zwei Kindern mit „fliegenden Fahnen“ bei der Chorprobe an. Mir bleibt nur kurz Zeit, mich zu sammeln, es werden noch Fragen und Organisatorisches an mich herangetragen, doch schon nach kürzester Zeit stellt sich ein besonderer Zustand ein, den ich nur als „Flow“ beschreiben kann. Oft habe ich überlegt, welches deutsche Wort das so beschreiben kann, aber ich habe noch keines gefunden. Eine Phrase ergibt die nächste, eine Schwierigkeit führt zur befreienden Lösung und die gemeinsame Klangwolke erfüllt den Raum.
So gibt es tatsächlich Chorproben, nach denen ich zwar sagen kann, an welchen Liedern wir geprobt haben, aber ich mich nur mit viel Mühe daran erinnere, was genau bearbeitet wurde. Die Musik trägt uns alle und verbindet sich manchmal wie von selbst und manchmal als Erfolg kleinteiliger Probenarbeit und hoher Konzentration aller Anwesenden. 

Singen im Chor beschreibe ich gerne als Hochleistungssport.

Singen im Chor ist sehr komplex und ich beschreibe es gerne als Hochleistungssport: die eigene Stimme, der eigene Text, der eigene Rhythmus, das gleicht man der eigenen Stimmgruppe an und dann hört man noch drei bis vier weitere Stimmgruppen. Das braucht Zeit, Geduld und Einfühlungsvermögen, Selbsteinschätzung und -wahrnehmung sowie auch Offenheit und Mut, sich auf die anderen einzustellen, oder besser gesagt, sich auf sie einzustimmen.

Die Arbeitsphase schließt sich dann ab, wenn die Sängerinnen und Sänger so viel Freiheit und gleichzeitig Sicherheit haben, sodass sie aktiv hören und wahrnehmen können, was um sie herum im Raum passiert. Diese erfüllten Blicke, wenn man gemeinsam im Klang „badet“, sind unbeschreiblich und bescheren Gänsehaut. 

Falsche Töne?

Ich persönlich „kaufe gerne falsche Töne für viel Gefühl“. Was nützt eine hochpräzise Darbietung, die doch seelenlos bleibt? Dann kann man die Virtuosität bewundern, aber wird davon nicht berührt. Dagegen bin ich mir sicher, dass jede*r diese Momente kennt, wo die Zeit stillzustehen scheint, weil man von dem Gesang und der Musik tief berührt wird. Dieses Gefühl als Chor gemeinsam zu erleben und an das Publikum weiterzugeben, ist ein kostbarer Schatz, ganz gleich, ob es das große Gefühl eines Liebesliedes ist oder der Spaß an einem Gute-Laune-Hit; es überträgt sich auf die Zuhörerinnen und Zuhörer und berührt alle im Raum. 

Gesang ist unser körpereigenes Instrument, stets greifbar und etwas sehr Ganzheitliches. Singen stärkt das Vertrauen in uns selbst und schenkt uns Ruhe und Ausgeglichenheit. In dem einen Moment genießt man einfach die Melodie und in einem anderen berührt der Text zutiefst, kann helfen und trösten, aufheitern und glücklich machen. Ein Leben ohne Musik ist unvorstellbar und schlichtweg unmöglich. Das Singen im Chor ist ein besonderer Teil der großen, musikalischen Vielfalt. 

Ich lade alle ein und möchte ermutigen, einfach zu singen, ganz egal, ob alleine oder in der Gruppe, ob regelmäßig oder gelegentlich, es ist gesund, macht Spaß und verbindet – mit sich selbst und mit anderen.

Weiterführende Links

  • Wer auf der Suche nach einem Chor oder anderen Möglichkeiten zum Singen ist, findet auf der Homepage des Chorverbands Tirol Chöre in der Umgebung sowie sämtliche Kontaktdaten.

  • Singen von Herzen mit Gernsingenden Falschsängern

Herzliche Einladung zum Miteinander Singen

Das Singen hat so viele tolle Auswirkungen. Wenn du Lust hast, das alles in einem geschützten Rahmen auszuprobieren, dann bist du herzlich eingeladen zum Miteinander Singen beim k+lv Festl

Brigitte Luftensteiner wird am Freitag, 6. September zur Feier des Tages ein, zwei oder drei Lieder erarbeiten, die im anschließenden Abendlob in der Kirche in Schönberg miteinander gesungen werden. 

Wir freuen uns auf die gemeinsame Zeit mit Sängern*innen und Nichtsänger*innen, mit Mitgliedern des Vereins und Nicht-Mitgliedern und mit allen, die gerne beschwingt ins neue Arbeitsjahr starten wollen. 

Brigitte Luftensteiner
Brigitte Luftensteiner

Brigitte Luftensteiner ist im Chorverband Tirol Landeschorleiter-Stv.in. Chorsingen begleitet sie von Kindesbeinen an und seit ihrem 19. Lebensjahr ist sie leidenschaftliche Chorleiterin.

Foto: (c) Reinhold Sigl

Dieser Artikel erscheint unter Creative Commons, BY-NC-SA.

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