Gesegnet hinken - Wenn der Berufsalltag an Grenzen stößt

Was tun, wenn Selbstfürsorge und Resilienzstrategien im Schul- und Kindergarten-Alltag an ihre Grenzen stoßen? Die Erzählung von Jakobs nächtlichem Kampf am Jabbok eröffnet einen entlastenden Blick auf Erschöpfung, Rollendruck und die Würde des eigenen Hinkens.

Manchmal ist gar nichts Dramatisches passiert. Es gab keinen großen Konflikt, keinen außergewöhnlichen Vorfall und auch keine pädagogische Katastrophe. Und trotzdem sitzt man am Ende eines Tages da und merkt: Es war einfach zu viel.

Tatsächlich waren die Kinder nicht schwieriger als sonst. Die Bürokratie hat nicht mehr genervt als sonst auch und sogar das Elterngespräch ist gut verlaufen. Eigentlich gibt es keinen einzelnen Grund, auf den man zeigen könnte. Und doch ist da diese Erschöpfung, die sich nicht mehr mit einer Tasse Tee oder einem Zuspruch wie „Morgen wird’s besser“ wegreden lässt.

Viele Tipps und Tricks sind inzwischen auch schon gut bekannt: Grenzen setzen, Pausen machen, Prioritäten klären, Aufgaben abgeben, Nein sagen, achtsam mit den eigenen Ressourcen umgehen, sich Unterstützung holen. Das alles ist sinnvoll und vieles davon hilft wirklich.

Aber trotz allem gibt es diese anderen Momente: Momente, in denen man alles weiß und trotzdem an eine Grenze kommt. Man kommt nicht an die Grenze, weil man sich zu wenig bemüht hätte und auch nicht, weil man die richtigen Strategien noch nicht gefunden hätte. Man kommt an die Grenze, weil menschliche Kraft begrenzt ist.

Genau hier setzt das Konzept der Resilienz an. Es verspricht nicht, dass Belastungen verschwinden oder dass wir gegen jede Krise unverwundbar werden. Im Gegenteil: Resilienzforschung nimmt ernst, dass Menschen verletzlich sind, dass Belastungen nicht vollständig kontrollierbar sind und dass wir auf Ressourcen angewiesen bleiben. Fragen nach Kohärenz und Sinn und die Antworten darauf werden zu tragenden Säulen.

Da scheint es geradezu paradox, dass die biblische Erzählung, um die es in diesem Beitrag geht, fast schon mehr Fragen als Antworten liefert.

Eine Nacht am Jabbok

Jakob ist kein unbeschriebenes Blatt. Er ist der jüngere Zwillingsbruder Esaus, der seinem Bruder einst das Erstgeburtsrecht abkaufte und sich später durch eine List auch den väterlichen Segen erschlich. Auf der Flucht vor Esau verließ er seine Heimat und verbrachte viele Jahre fern von ihr. Inzwischen ist viel geschehen. Jakob hat geheiratet, eine große Familie gegründet und sich einen beträchtlichen Besitz aufgebaut. Vor allem aber ist er selbst nicht mehr derselbe, der einst vor seinem Bruder floh.

Nun ist er auf dem Rückweg. Hinter ihm liegt ein langes, bewegtes Leben, vor ihm die Begegnung mit Esau, der ihm mit einem großen Gefolge entgegenkommt. Jakob hat Vorkehrungen getroffen, Geschenke vorausgeschickt und seine Familie und seinen Besitz über den Fluss Jabbok gebracht. Dann bleibt er allein zurück.

Was in dieser Nacht geschieht, gehört zu den rätselhaftesten und zugleich eindrücklichsten Szenen der Jakobserzählung (Gen 32,23-31).

In derselben Nacht stand Jakob auf, nahm seine beiden Frauen, seine beiden Mägde sowie seine elf Kinder und durchschritt die Furt des Jabbok. Er nahm sie und ließ sie den Fluss überqueren. Dann schaffte er alles hinüber, was ihm sonst noch gehörte. Als er allein zurückgeblieben war, rang mit ihm ein Mann, bis die Morgenröte aufstieg. Als der Mann sah, dass er ihn nicht besiegen konnte, berührte er sein Hüftgelenk. Jakobs Hüftgelenk renkte sich aus, als er mit ihm rang. Er sagte: Lass mich los; denn die Morgenröte ist aufgestiegen. Er entgegnete: Ich lasse dich nicht los, wenn du mich nicht segnest. Er fragte ihn: Wie ist dein Name? Jakob, antwortete er. Er sagte: Nicht mehr Jakob wird man dich nennen, sondern Israel – Gottesstreiter –; denn mit Gott und Menschen hast du gestritten und gesiegt. Nun fragte Jakob: Nenne mir doch deinen Namen! Er entgegnete: Was fragst du mich nach meinem Namen? Dann segnete er ihn dort. Jakob gab dem Ort den Namen Penuël – Gottes Angesicht – und sagte: Ich habe Gott von Angesicht zu Angesicht gesehen und bin doch mit dem Leben davongekommen 1.

Die diffuse Grauzone

Wer ist dieser Mann, der Jakob in der Nacht entgegentritt? Die Erzählung gibt darauf zunächst keine eindeutige Antwort. Ein „Mann“ ringt mit Jakob, aber mehr erfahren wir zunächst nicht. Ist es tatsächlich ein Mensch? Eine göttliche Gestalt? Ein Wesen, das mit dem Fluss und der nächtlichen Szenerie verbunden ist? Oder begegnet Jakob in dieser Gestalt vielleicht etwas, das sich überhaupt nicht eindeutig benennen lässt?

Die Erzählung scheint diese Unklarheit nicht als Problem zu empfinden. Sie löst das Rätsel nicht auf, im Gegenteil: Gerade die Mehrdeutigkeit gehört zur eigentümlichen Atmosphäre dieser Nacht. Jakob weiß offenbar selbst nicht, mit wem er es zu tun hat. Er kämpft, ohne das Gegenüber eindeutig einordnen zu können.

Das ist eine Erfahrung, die auch im pädagogischen Alltag nicht fremd sein dürfte. Manchmal wissen wir ziemlich genau, dass etwas zu viel ist, aber nicht mehr genau, was eigentlich zu viel ist. Es ist nicht ein einzelnes Kind, nicht ein bestimmtes Elterngespräch, nicht die nächste administrative Zumutung. Es ist die Summe aus vielem und vielleicht kommt noch etwas ganz Eigenes hinzu, das sich gar nicht so leicht in Worte fassen lässt.

Wir suchen dann gerne nach dem Namen des Problems. Was ist es genau? Woher kommt es? Was kann ich verändern? Wer oder was ist eigentlich der „Gegner“? Solche Fragen sind sinnvoll. Sie helfen, Zusammenhänge zu erkennen und Handlungsmöglichkeiten zu gewinnen. Aber nicht jede Situation lässt sich so schnell sortieren. Manchmal bleibt zunächst nur die Erfahrung: Ich kämpfe mit etwas, das ich nicht genau benennen kann.

Vielleicht liegt gerade darin eine erste Entlastung: Nicht alles, was uns belastet, muss im selben Moment schon vollständig verstanden werden. Eine Erfahrung darf zunächst auch einmal widersprüchlich, diffus und offen bleiben. Jakob bekommt in dieser Nacht keine Diagnose seines Problems. Er bekommt keine Erklärung dafür, warum dieser Kampf stattfindet. Er kämpft.

Die verrenkte Hüfte

Bis zu diesem Moment ist Jakob derjenige, der kämpft. Er hält durch, ringt mit seinem Gegenüber und lässt sich offenbar nicht überwältigen. Dann geschieht etwas Merkwürdiges: Der Mann berührt sein Hüftgelenk und plötzlich ist Jakobs körperliche Kraft gebrochen. Es war laut Geschichte nur eine Berührung, aber Jakob kann nicht mehr wie bisher kämpfen. Aber noch etwas anderes ist ihm genommen: Er kann auch nicht mehr fliehen. Gerade das ist bemerkenswert, wenn man sich vor Augen hält, wo Jakob sich befindet. Er ist auf dem Weg zurück in seine Heimat, zurück zu Esau, vor dessen möglicher Rache er einst geflohen war. Und nun steht er da, verwundet und ohne die Möglichkeit, einfach davonzulaufen.

Vielleicht gibt es auch in unserem Leben solche Momente. Nicht unbedingt den großen Zusammenbruch, sondern den Punkt, an dem wir merken: So wie bisher geht es nicht mehr. Die Kraft reicht nicht mehr aus, die vertrauten Strategien greifen nicht mehr, und auch die Möglichkeit, der Situation einfach auszuweichen, ist nicht mehr gegeben.

Das ist ein unangenehmer Moment. Denn solange wir etwas tun können, vermittelt uns unser Handeln zumindest das Gefühl, die Situation noch einigermaßen unter Kontrolle zu haben. Wir können planen, organisieren, reagieren, verändern. Doch was geschieht, wenn uns genau diese Möglichkeit genommen wird?

Jakob bekommt in dieser Nacht keine neue Fähigkeit verliehen. Er wird nicht stärker gemacht, im Gegenteil: Er wird verwundet. Und trotzdem ist die Geschichte an diesem Punkt noch nicht zu Ende.

Festhalten, wenn nichts mehr geht

„Lass mich los“, sagt der unbekannte Mann. Eigentlich wäre das der Moment, in dem Jakob loslassen müsste. Er ist verletzt, die Nacht geht zu Ende, und sein Gegenüber fordert ihn auf, den Kampf zu beenden. Doch Jakob lässt nicht los.

Bemerkenswert ist, dass er dabei nicht etwa um eine Erklärung bittet. Er fragt nicht noch einmal, wer dieser Mann eigentlich ist. Er verlangt keine Begründung für das, was geschehen ist. Er sagt nur: „Ich lasse dich nicht los, wenn du mich nicht segnest.“

Das ist ein erstaunlich beharrlicher Satz. Jakob hat gerade erfahren, dass seine eigene Kraft begrenzt ist. Er kann diesen Kampf nicht mehr so führen wie zuvor. Aber er gibt sich auch nicht einfach geschlagen. Wenn er schon verwundet aus dieser Nacht hervorgehen muss, dann will er nicht mit leeren Händen gehen.

Vielleicht liegt darin etwas sehr Menschliches. Es gibt Situationen, in denen wir nicht mehr viel tun können. Wir können das Geschehene nicht ungeschehen machen, die Situation nicht kontrollieren und manchmal nicht einmal verhindern, dass sie uns verändert. Aber wir können noch immer fragen, was aus dem, was uns widerfährt, werden kann.

Und dann geschieht etwas, das für die weitere Erzählung bedeutend ist: Der Mann fragt ihn nach seinem Namen: „Wie ist dein Name?“ Jakob antwortet: „Jakob.“

Wie ist dein Name?

Jakob hat die ganze Nacht mit diesem Mann gerungen, aber wer dieser Mann ist, bleibt weiterhin ungeklärt. Und ausgerechnet jetzt, da Jakob verletzt ist und die Morgenröte aufsteigt, stellt der andere eine einfache Frage: „Wie ist dein Name?“ Jakob antwortet: „Jakob.“

Der andere nennt seinen eigenen Namen nicht. Als Jakob unmittelbar darauf zurückfragt – „Nenne mir doch deinen Namen!“ – bekommt er keine Antwort. „Was fragst du mich nach meinem Namen?“ Mehr sagt er nicht. Das Gegenüber entzieht sich also weiterhin der eindeutigen Identifikation. Aber Jakob selbst muss sich identifizieren. Er muss seinen Namen nennen.

Das ist mehr als eine beiläufige Frage. Denn ein Name ist in der biblischen Erzählwelt nicht bloß ein Etikett. Im Namen verdichtet sich etwas von der Person und ihrer Geschichte. Jakob nennt hier nicht nur eine Bezeichnung. Er nennt sich selbst.

Vielleicht ist genau das eine der eigentümlichen Erfahrungen von Grenzsituationen: Wir können manchmal lange nicht sagen, womit wir eigentlich kämpfen. Was genau macht uns so müde? Was ist der eigentliche Grund für unsere Überforderung? Woher kommt dieser Druck? Wer oder was ist eigentlich unser Gegenüber?

Und während sich diese Fragen vielleicht nicht eindeutig beantworten lassen, kann eine andere Frage plötzlich umso wichtiger werden: Wer bin ich selbst inmitten dessen, was mir gerade widerfährt?

Wenn die berufliche Rolle nicht mehr selbstverständlich funktioniert, wenn die eigene Leistungsfähigkeit an Grenzen kommt und die vertrauten Strategien nicht mehr tragen, stellt sich die Frage nach dem eigenen Namen noch einmal neu. Wer bin ich, wenn ich nicht gerade funktioniere? Wer bin ich jenseits dessen, was ich für andere leiste?

Jakob bekommt auf seine Frage nach dem Namen des anderen keine klare Antwort. Aber er muss seinen eigenen Namen nennen. Und vielleicht ist das eine der überraschenden Bewegungen dieser Nacht: Das Unbegreifliche muss nicht zuerst identifiziert werden, damit ich mir selbst neu begegnen kann.

Segen lässt sich nicht erschleichen

„Ich lasse dich nicht los, wenn du mich nicht segnest.“ Dieser Satz bekommt sein besonderes Gewicht, wenn man sich daran erinnert, dass Jakob mit dem Segen eine eigene Geschichte hat. Einst hatte er versucht, sich den väterlichen Segen zu erschleichen. Er hatte sich genommen, was er unbedingt haben wollte, und dafür seine eigene Identität und die seines Bruders verborgen. Was ihm damals durch List gelungen war, wird nun zu einer existenziellen Bitte: „Segne mich.“

Jakob hat etwas gelernt. Segen lässt sich nicht machen und schon gar nicht erzwingen. Man kann ihn nicht durch die richtigen Strategien herstellen und nicht durch geschicktes Handeln sicherstellen. Man kann nur darum bitten.

Vielleicht liegt gerade darin eine wichtige Unterscheidung zu jener Vorstellung, nach der wir unser Leben nur richtig organisieren müssten, damit es gelingt. Auch im pädagogischen Alltag gibt es unzählige sinnvolle Strategien, die helfen können, Belastungen zu bewältigen. Aber es gibt eben auch Dinge, die sich nicht herstellen lassen: das Gefühl, dass das eigene Leben trägt; die Gewissheit, dass das eigene Tun Bedeutung hat; die Erfahrung, selbst dann angenommen zu sein, wenn man gerade nicht mehr leisten kann.

Vielleicht müssen wir nicht alles selbst herstellen. Vielleicht gibt es Dinge, um die wir nur bitten können. Und vielleicht ist das eine Form von Glauben, die gerade dort beginnt, wo unsere eigenen Möglichkeiten an ihre Grenze kommen.


Gesegnet hinken

Jakob fragt nach dem Namen des anderen. Doch wieder bekommt er keine eindeutige Antwort: „Was fragst du mich nach meinem Namen?“ Dann heißt es schlicht: „Dann segnete er ihn dort.“ Jakob erfährt nicht, wer sein Gegenüber eigentlich ist. Er bekommt keine Auskunft darüber, warum diese Nacht geschehen musste und was sie für sein weiteres Leben bedeutet. Er bekommt den Segen.

Erst im Rückblick gibt Jakob dieser Erfahrung einen Namen: Penuël – Gottes Angesicht. Was in der Nacht selbst unklar geblieben ist, deutet sich für Jakob am Morgen als Gottesbegegnung. Aber Jakob geht nicht unversehrt aus dieser Begegnung hervor. Er hinkt.

Vielleicht ist gerade das die eigentliche Pointe dieser merkwürdigen Geschichte: Gesegnet zu sein bedeutet nicht, unversehrt zu sein. Der Segen macht die Verletzung nicht ungeschehen. Er nimmt Jakob seine Geschichte nicht ab und stellt seine körperliche Kraft nicht einfach wieder her. Jakob geht gesegnet in den neuen Tag, aber er hinkt.

Was kann diese eigentümliche Geschichte nun mit unserem pädagogischen Alltag zu tun haben? Vielleicht zunächst genau dies: Sie bietet keine Methode an, kein Rezept für schwierige Tage, keine Technik, mit der sich Überforderung zuverlässig vermeiden lässt. Stattdessen erzählt sie von einem Menschen, der in einer Nacht an die Grenzen seiner Möglichkeiten kommt und dabei mehrere Dinge erfährt.

  • Die Ungewissheit aushalten: Jakob muss nicht sofort wissen, womit er eigentlich kämpft. Auch wir müssen nicht jede Erschöpfung und jede Überforderung unmittelbar analysieren und in den Griff bekommen. Manches bleibt zunächst diffus.
  • Grenzen anerkennen: Jakob erlebt, dass seine Kraft nicht unendlich ist. Er kann weder weiterkämpfen wie bisher noch einfach davonlaufen. Auch wir kennen Grenzen, an denen die vertrauten Strategien nicht mehr ausreichen.
  • Mehr sein als die Rolle: Jakob wird nach seinem Namen gefragt. Vielleicht erinnert uns das daran, dass wir mehr sind als das, was wir in unserem Beruf leisten. Lehrerin, Lehrer, Elementarpädagogin, Elementarpädagoge – das sind wichtige Rollen. Aber sie sind nicht unser ganzer Name.
  • Bitten statt Erzwingen: Jakob hält fest und bittet um Segen. Er versucht nicht mehr, den Segen selbst herzustellen. Vielleicht ist auch das eine geistliche Möglichkeit für unseren Alltag: nicht alles selbst machen, sichern und kontrollieren zu müssen, sondern um etwas zu bitten, das wir uns selbst nicht geben können.
  • Verwundet weitergehen: Und dann geht Jakob weiter. Nicht geheilt von allem, was geschehen ist. Nicht mit einer perfekten Erklärung für die vergangene Nacht, sondern hinkend.

Wir müssen nicht immer alles tragen können.

Vielleicht ist das manchmal schon genug: weitergehen zu können, obwohl nicht alles wieder gut und nicht alles wieder wie vorher ist. Der pädagogische Alltag wird dadurch nicht leichter, die Anforderungen nicht kleiner, die Bürokratie nicht weniger und die eigenen Kräfte nicht plötzlich unendlich. Aber vielleicht verändert sich etwas an unserem Blick auf uns selbst. Wir müssen nicht immer alles tragen können. Wir müssen nicht jede Nacht sofort verstehen. Und wir müssen vielleicht auch nicht unversehrt aus jeder Herausforderung hervorgehen.

Vielleicht genügt es manchmal, gesegnet zu hinken.


 

Fußnote

1 Dass Jakob „mit dem Leben davongekommen“ ist, scheint auf den ersten Blick sogar gegen seine eigene Deutung als Gottesbegegnung zu sprechen. Denn die Vorstellung, dass der Mensch Gottes Angesicht nicht sehen könne, ohne zu sterben, begegnet auch an anderen Stellen der Hebräischen Bibel (vgl. etwa Ex 33,20; Ri 13,22). Eine interessante, wenn auch spekulative Frage wäre daher: Gilt diese Grenze auch dann, wenn der Mensch im Augenblick der Begegnung gar nicht weiß, dass er Gott gegenübersteht? Der Text selbst beantwortet diese Frage nicht. Gerade die Spannung zwischen der unmittelbaren Erfahrung der Nacht und ihrer nachträglichen Deutung als Gottesbegegnung bleibt bestehen.

Phillip Tengg
Phillip Tengg Mag. theol.

Phillip Tengg hat katholische Fachtheologie in Innsbruck studiert und ist Geschäftsführer des Kath. Tiroler Lehrervereins. Außerdem ist er Fachreferent für Bibel und Liturgie in der Diözese Innsbruck.

Dieser Artikel erscheint unter Creative Commons, BY-NC-SA.

Kommentar schreiben

Bitte logge dich ein, um einen Kommentar zu schreiben.

Kommentare

Sei der erste, der diesen Artikel kommentiert.

Das könnte dich auch interessieren