Auf dem Skateboard das Gleichgewicht finden

Skateboarden gilt als Trendsportart der Jugendkultur – doch auch im Kindergarten eröffnet das Brett auf vier Rollen neue Bewegungsräume. Im Pfarrkindergarten Pradl sammeln Kinder unter professioneller Anleitung erste Skate-Erfahrungen und trainieren dabei spielerisch Gleichgewicht, Koordination und Selbstvertrauen. Das Projekt zeigt, welches Potenzial in ungewöhnlichen Bewegungsangeboten im Elementarbereich steckt.

Eine coole Sportart erobert den Elementarbereich

Kinder in jedem Alter haben den Bedarf und auch den Drang, sich zu bewegen. Die Kinder des Pfarrkindergartens Pradl durften mit ihrem persönlichen Trainer Stefan Ebner im Laufe mehrerer Einheiten immer wieder mit Skateboards trainieren. Sie konnten in diesem Zusammenhang ihr Gleichgewicht, ihre Koordination und ihre Balance üben, sowie ihre Körperstabilität und Grobmotorik trainieren und all diese Fähigkeiten auf die Probe stellen.
Die Trainingseinheiten mit Stefan stießen auf solch positive Resonanz seitens der Pädagogen*innen, Kindergartenkinder und deren Eltern, dass ein Bewegungsprojekt zu dieser Sportart bereits mehrere Jahre in Folge im Pfarrkindergarten durchgeführt wird. Oft schon bin ich mit meinen eigenen Kindern am Skatepark nahe dem Tivoli vorbeigegangen und es ist jedes Mal dasselbe: Alle drei sind fasziniert von den Tricks der Skater*innen. Aus diesem Grund bin ich als Mutter begeistert von diesem individuellen Bewegungsangebot im Pfarrkindergarten, denn ich selbst könnte meinen Kindern diese Bewegungserfahrung nicht bieten.
Doch bevor wir uns dem spannenden Projekt an sich widmen, vorab noch ein wenig Theorie – Skaterboard-Latein sozusagen.

Zur Geschichte des Skatens

Begonnen hat die Geschichte des Skateboardings an der Südwestküste Kaliforniens. Dort montierten in den 50er Jahren Surfer unten Räder an etwas kleinere Surfbretter. Die Intention dahinter: Surfbewegungen auch auf der Straße ausführen zu können, wenn es der Wellengang nicht erlaubte, am Wasser zu surfen. Der sogenannte Asphaltsurfer war geboren – der erste Prototyp des Skateboards. Er wurde barfuß gefahren. In den Sechzigerjahren begann dann die industrielle Skateboardproduktion und in den Siebzigerjahren kam es zu einem Aufschwung dieser Sportart, in weiterer Folge auch in Europa (vgl. Wikipedia, 2019).

Doch was passiert beim Skaten eigentlich und warum ist es eine interessante Alternative zu so manch anderer Sportart?

Physische Auswirkungen des professionellen Skatens

Grundsätzlich werden beim Skateboarden mehrere Gehirnareale zur selben Zeit beansprucht. Dies geht folgendermaßen vor sich: Einerseits muss die Bewegung an sich gesteuert, andererseits gleichzeitig die Lage des Körpers in der Luft kontrolliert werden. Die verschiedensten Tricks, die ein Skater macht, stellen immense und überaus herausfordernde Ansprüche sowohl an das Gehirn als auch an die Motorik. Oft bleibt vom Absprung bis zur Landung weniger als eine halbe Sekunde Zeit, um die begonnene Bewegung abzuschließen – also viel zu wenig Zeit, als dass die Signale der körpereigenen Sensoren in den Muskeln und Gelenken sowie jene des Gleichgewichtsorgans im Innenohr das Gehirn noch pünktlich erreichen könnten. Die Sensoren melden zwar die Position des Körpers an das Kleinhirn, jedoch arbeiten die menschlichen Leitungsbahnen im Rückenmark zu langsam. Die Informationen erreichen somit das Gehirn erst, wenn die Bewegung bereits abgeschlossen ist. Dass Bewegungsabläufe jedoch dennoch blitzschnell und letztlich unbewusst erfolgen können, müssen diese seitens des Skaters bereits im Vorfeld sehr präzise erlernt worden sein. Man kann also davon ausgehen, dass gute Skater über ein ausgezeichnetes Körpergefühl verfügen. Jene ausgezeichnete Eigenwahrnehmung des Körpers nennen Fachleute auch Propriorezeption¹. Bei besagtem ausgeprägten Körpergefühl ist das Gehirn fähig, eine bestimmte Bewegung bzw. einen individuellen Bewegungsablauf besser zu erlernen – wie dies bei Skateboardtricks von übergeordneter Relevanz ist. Es handelt sich dennoch um eine zeitaufwändige Angelegenheit, und so steckt jahrelanges Training hinter der Leichtigkeit der Abläufe, wenn wir coole Skater im Skatepark bei ihren Tricks beobachten. Das Gehirn muss – wie bei vielen anderen Sportarten auch – bestimmte Bewegungsabläufe immer wieder üben, sodass diese schließlich zielgerichtet, unbewusst und vor allem automatisch vonstattengehen (vgl. praxisvita, o. A. 2019).

Die Sicherheit der Kinder steht an oberster Stelle.

Gut geschützt am Board

Besonders, wenn es um die Ausübung von Sportarten im Kontext von Kinderbetreuungseinrichtungen geht, steht die Sicherheit der teilnehmenden Kinder an oberster Stelle. Und so mancher Elternteil wird vielleicht Vorurteile haben und denken, Skateboarden wäre ein zu gefährlicher Sport für Kindergartenkinder. Ich als Mutter eines der teilnehmenden Kinder, kann dies jedoch dementieren, denn ich habe gesehen, wie Stefan die Kinder professionell anleitet und sie in überaus kompetenter Weise begleitet, wenn sie sich mit dem Gerät auf Rollen vertraut machen. Stefan gibt nicht nur altersadäquate, kindgerechte Anweisungen und Hinweise, er stützt und sichert die Kinder zudem kompetent und qualifiziert, denn er ist selbst ausgebildeter Physiotherapeut.
Zusätzlich zu einer intensiven Vorbereitung mithilfe eines Personal-Trainers, ist eine geeignete Schutzausrüstung (allem voran ein Helm, und gegebenenfalls auch Knie-, Ellenbogenund Handschützer) relevant, um Verletzungen vorzubeugen bzw. abzuwenden. Denn, richtig angeleitet, handelt es sich beim Skaten definitiv um eine spannende Möglichkeit zur Förderung der Grobmotorik und um eine gleichgewichtsfördernde Maßnahme, die den Kindern höchste Konzentration abverlangt und ihnen zudem richtig großen Spaß bereitet.

Zur Lateralität bzw. Dominanz einer Körperseite

Beim Skateboard handelt es sich auch aus sportwissenschaftlicher Sicht um ein ideales sportwissenschaftlicher Sicht um ein ideales Trainingsgerät für Kinder und Jugendliche. Ein zentraler Aspekt beim Skaten liegt definitiv auf der Erweiterung des Körperbegriffes, sowie der Förderung der Rechts-Links-Orientierung bzw. Seitigkeit des eigenen Körpers. Unter Lateralität versteht man die Dominanz einer Körperseite bzw. die Rechts-Links-Orientierung. Es gibt Kinder, die bemerken gleich, mit welchem Fuß sie besser Schwung holen  (oder „pushen“, wie es in Skaterkreisen heißt) können und welcher besser auf dem Board verbleiben sollte und für andere ist die persönliche Lateralität noch nicht eindeutig.
Stefan Ebner erklärt uns diesbezüglich, dass sich eine Rechts-Links-Orientierung gerade im Kindergarten oft noch nicht ganz klar herauskristallisiert hat. Es ist sogar so, dass manche Kinder es vom einen zum anderen Mal vergessen, welche ihre eigentlich bevorzugte Seite ist. Manchmal sind sie sogar innerhalb einer Einheit irritiert, welcher ihr besserer Standfuß ist und können plötzlich offensichtlich nicht mehr pushen, obwohl sie es in vorangegangenen Einheiten bereits gekonnt haben. In so einem Fall ist es von Vorteil, dass der Kursleiter die Kinder schon öfter gesehen hat und sich möglicherweise noch an die bevorzugte Seite des jeweiligen Kindes erinnern kann. Ansonsten geht hier einfach Probieren über studieren! Andererseits gibt es auch Kinder, die keine offensichtlich bevorzugte Seite haben und eigentlich mit beiden Beinen gleich gut aufsteigen können. Ältere Kinder und Erwachsene finden meist schnell ihre bevorzugte Fahrtrichtung. Zwar gibt es diverse Tests, die eine bevorzugte Standrichtung herausfinden sollen. Ihre Aussagekraft ist jedoch nicht ausreichend untersucht und die Erfahrung zeigt, dass man sich nicht auf sie verlassen sollte.
Zudem gibt es Leute, die sowohl „regular“ (linker Fuß vorne) als auch „goofy“ (rechter Fuß vorne) skaten können und es gibt sogar Menschen die andersherum Rampen fahren als sie auf der Straße fahren, lässt Stefan als erfahrener Skater uns wissen. Bezüglich der Seitigkeit kann jedoch grundsätzlich gesagt werden: Je geübter die Kinder sind, desto eher können sie auch einmal einen Seitenwechsel durchführen und versuchen, mit dem jeweils anderen Fuß anzutauchen bzw. zu pushen, denn das ist die einzige „körperliche“ Problematik, welcher sich auch schon Anfänger bewusst sein sollten: „Wer immer nur dasselbe Bein zum Antauchen verwendet, belastet sich auch einseitig“, so der Sportwissenschaftler Thomas Verhounik (Verhounik In: Sport aktiv, 2015, S. 1).

Ein zentraler Aspekt beim Skaten liegt definitiv auf der Erweiterung des Körperbegriffes, sowie der Förderung der Rechts-Links-Orientierung bzw. Seitigkeit des eigenen Körpers.

Gerade im Kindergarten gibt es kein „richtig“ oder „falsch“ und alles ist erlaubt, was das Kind nicht gefährdet. Skaten im Kindergarten ist natürlich nicht dasselbe wie „sportliches Skateboarding“ im Skatepark oder gar authentisches Street-Skaten in der urbanen Umgebung, sondern es geht im elementarpädagogischen Nexus vorrangig um das Spiel mit dem eigenen Gleichgewicht auf einer labilen Unterlage. Kinder entwickeln für das Skateboard eine ganz andere Faszination, als etwa für ein Wackelbrett oder andere in der Physiotherapie verwendete Geräte zur Förderung der Balance.

In kleinen Gruppen werden Bewegungsabläufe gemeinsam geübt.

Das Training im Kindergarten findet in überschaubaren Kleingruppen statt

Jeweils vier bis sechs Kinder werden zu einer Gruppe zusammengefasst. Hier wird darauf geachtet, dass die Kinder innerhalb der Gruppe vom Level her ungefähr gleich weit sind. Zu Beginn wärmen sich die Kinder gemeinsam mit ihrem Trainer Stefan Ebner auf. Denn wie bei jeder anderen Sportart, ist das
Aufwärmen der einzelnen Körperregionen von substanzieller Bedeutung, um Verletzungen vorzubeugen.

Das Aufwärmen zu Beginn jeder Einheit

Beim Aufwärmen wird versucht, das Brett einzubauen, um eine gewisse Gewöhnung an das Gerät zu erlangen. Es kann natürlich auch vorkommen, dass mit ein paar Runden „Sitzskaten“ begonnen wird, denn wenn die Kinder schon im Garten waren, dort auf Gerüsten herum geturnt oder fangen gespielt haben, wärmen sie sich auf diese Weise ohnehin vorab auf.

Stefan Ebners Devise: Die Kinder dort abholen, wo sie stehen und mit den Kindern auf Augenhöhe agieren

Natürlich werden mit den Kindern nicht sofort „echte“ Skateboard-Tricks geübt, sondern eher Dinge wie Positionswechsel am stehenden Board und später auch während der Fahrt. In gut angeleiteten Schritten erklärt der Trainer langsam und spielerisch, was die Kids ihrem eigenen Körper zutrauen können. Empathisch und in seiner angenehm ruhigen Art erläutert Stefan den Kindern in den jeweiligen Kleingruppen, was an diesem Tag geübt und perfektioniert werden kann.

Das Training ist hierbei aufbauend und die Schwierigkeit der Übungen richtet sich sowohl nach dem Alter als auch nach dem individuellen Fortschritt, den die Kinder in den einzelnen Übungssequenzen bereits gemacht haben. „Mit den ganz Kleinen – also den Dreijährigen – muss ich natürlich andere Sachen machen, wie mit den geübteren Sechsjährigen, die schon im letzten Jahr dabei waren“, so der Trainer. In den ersten Übungseinheiten bewegen sich die Kinder zum Beispiel sehr gerne am Bauch liegend auf den Skateboards fort. Dabei müssen sie unbedingt darauf achten, nicht über ihre eigenen Hände zu fahren. Auch auf dem Rücken liegend ist es möglich, sich auf dem rollenden
Brett einer vorgegebenen Bahn entlang zu bewegen. Dann versuchen die Kinder sitzend eine Bahn von links und rechts aufgestellten Hütchen zu durchfahren. Wenn diese Übungen für die Kinder gut funktionieren, werden Hütchen so aufgestellt, dass es möglich ist, sie im Slalom zu durchfahren.

Eine spektakuläre Übung für Gleichgewicht und Balance, die den Kindern allerdings einiges abverlangt, ist das Aufstehen aus dem Sitzen bzw. das wieder Hinsetzen aus dem Stand, auf dem dahin rollenden Board. Gut geübte Kinder können bereits stehend Kurven fahren, bekommen wichtige Inputs, Anleitungen und Tipps vom Profi und dürfen sogar teilweise schon im Stand eine Rampe hinunter rollen.

Im Vordergrund steht der Spaß

Dass die Kinder Spaß an der Sache haben, sieht man, wenn man – so wie ich – bei einer Einheit hospitieren darf. „Fun“ steht für Stefan immer absolut im Vordergrund, denn nur was man gern macht, macht man oft und nur was man oft macht, darin wird man richtig gut! Dennoch steht nicht primär ein individueller Lernerfolg oder Fortschritt im Fokus. Meistens haben die Kinder den größten Spaß, wenn sie irgendwo im Sitzen hinunter fahren. Der Trainer versucht die Kinder immer wieder einzuladen, auch etwas im Stehen mit ihm zu üben, aber ganz oft ist dieses „Training“ dann von kurzer Dauer und sie dürfen anschließend wieder im Sitzen fahren.

Auf das Gleichgewicht kommt es an!

Im Verhältnis zum kindlichen Körper ist ein Skateboard relativ groß und daher eignet es sich sehr gut für die eben beschriebenen Übungen. Es handelt sich um eine ziemlich wackelige Angelegenheit und so müssen ständig kleine Ausgleichsbewegungen seitens der Kinder gemacht werden, um stabil zu
bleiben – eine gewaltige Herausforderung bleiben – eine gewaltige Herausforderung in Sachen Koordination und Gleichgewicht!
Deshalb ist es für motorisch weniger geübte Kinder teilweise bereits eine riesige Anforderung und Überwindung, auf das Board aufzusteigen, ohne sich an ihrem Trainer oder an der Wand festzuhalten. Manchmal trauen sich besagte Kinder auch sonst wenig zu. Zudem gibt es auch solche, die zwar eigentlich gar nicht ungeschickt sind, sich aber dennoch wenig zutrauen. Gerade bei jenen motorisch nicht so geübten Kindern und solchen, die sich wenig zutrauen, werden dann auch kleine Erfolge, wie etwa allein aufzusteigen und zehn Sekunden am Brett stehen zu bleiben, umso mehr gefeiert. Sie erkennen selbst, dass sie etwas Fantastisches zustande gebracht haben, und das steigert natürlich das Selbstbewusstsein. In diesem Moment ist es egal, ob nun andere schon mehr können oder nicht.
Es interessiert und begeistert die Kinder zwar, wenn jemand schon mehr kann oder sich mehr zutraut als sie selbst – ja, es spornt sie teilweise an, wie etwa meinen kleinen Sohn Elias, der mit seinen knapp vier Jahren einer der Jüngsten in Stefans Kursen ist, aber er würde niemals sagen, dass es ihn stört, dass andere schon besser fahren als er selbst.
Elias liebt die Freitage im Kindergarten, an denen er seinen Helm mitnehmen muss, weil erweiß, da kommt der Skater und … „da wird’s wieder volle cool!“ Stefan hat eine Gabe, die Kinder zu begeistern! Er brennt für die Sache und deshalb kann er auch das Feuer der Begeisterung in den Kindern entzünden.

Bei fast allen Dingen im Leben gibt es ein Für und Wider

Klarereise sprechen einige Gründe gegen das Skaten schon in so frühen Jahren. Einer davon ist natürlich die Gefahr von Verletzungen, die Eltern und auch Pädagogen*innen im Blick haben und abwägen müssen. Ich habe als Mutter gesehen, wie kompetent, souverän und einfühlsam Stefan mit den Kindern arbeitet und sie während ihrer Übungsfahrten sichert, deshalb habe ich diesbezüglich wenig Sorge. Im Grunde genommen geht es beim Skaten – wie bei vielen anderen Sportarten auch – darum, seine eigenen Ängste zu überwinden. Ich will, dass meine Kinder vielseitige Erfahrungen machen und wissen, was sie ihrem eigenen Körper zutrauen können. Auch will ich meine eigenen Kinder nicht in Watte packen, denn ich weiß, wie wichtig verschiedenste, ja, möglichst vielfältige Bewegungserfahrungen sind, und ich selbst kann ihnen diese Bewegungserfahrung des Skateboardens im Speziellen nicht bieten. Das Schwammerl suchen, Schifahren und Snowboarden können wir unseren Kindern selbst beibringen, vielleicht auch noch das Inlineskaten, aber bei so wackeligen Brettern wie Skateboards steigen sowohl ich als auch mein Mann aus. Warum also nicht so ein tolles Angebot nutzen!?

Den Skate-Nachwuchs-Kids im Pfarrkindergarten Pradl gefallen die Einheiten mit ihrem Trainer jedenfalls so gut, dass sie immer schon lange Zeit vorher gespannt sind, was Stefan für sie vorbereitet hat und wer es diesmal aller schaffen wird, stehend die Rampe hinunter zu brausen.
Zudem sprechen natürlich mannigfaltig viele Gründe fürs Skaten und einige davon wurden hier bereits genannt. Vielleicht ist es aber auch noch wesentlich zu erwähnen, dass es sich um eine relativ flexible Sportart handelt. Geskatet kann nahezu überall werden, vorausgesetzt der Untergrund ist einigermaßen flach, eben und gerade. Außerdem ist es ein verhältnismäßig günstiger Sport: Wenn man sich das geeignete Board, eventuell Schützer und Helm angeschafft hat, entstehen keine weiteren hohen Kosten, wie dies beim Schifahren oder Snowboarden, Reiten oder Tennis sehr wohl der Fall ist. (Helme haben die Kindergartenkinder meist sowieso vom Radfahren).
Skaten ist definitiv eine Trendsportart. Zwar handelt es sich nicht um eine Mannschaftssportart, dennoch kann dieser Sport sowohl in Gruppen als auch allein betrieben werden. Und wenn das Wetter gerade einmal nicht mitspielt, stehen mittlerweile vielerorts spezielle Skatehallen zur Verfügung. 

Begeisterung und Eifer sind groß.

Begeisterung ist ansteckend

Die Kindergartenkurse werden in Innsbruck und Umgebung vom Verein Skateboard Club Innsbruck initiiert und sind – weil sie über das Projekt der Sportunion Tirol „Tägliche Bewegungseinheit Flex“ laufen – für die Einrichtungen absolut kostenlos.
Wenn man mit Stefan über das Skaten und die Kurse spricht, die er für Kinder abhält, spürt man deutlich seine Begeisterung. Denn auch nach über 35 Jahren ist er selbst noch passionierter Skater. Nur, dass sich sein Zugang etwas verändert hat. Jetzt interessiert ihn weniger der professionelle und sportliche Aspekt, dafür ist ihm die Freude der beteiligten Kinder umso mehr ein Anliegen. „Völlig egal, ob ein geschicktes Kind sich getraut, einen neuen Trick auszuprobieren, ein unsicheres Kind es mit ein wenig Hilfe geschafft hat, ein kleines Wagnis einzugehen, oder motorisch schwächere Kinder das erste Mal alleine Schwung geholt haben – die Freude darüber ist immer die gleiche und wenn solche Erfolge spürbar sind, auch die Pädagogen*innen absolut sprachlos vor Staunen sind und die Kinder zudem einen breiten Grinser im Gesicht haben, ist das schon ein wunderbares Gefühl“, so der euphorische Trainer. Ein absolut erfüllendes Erlebnis – auch Teil dessen zu sein …. Das sind echte Erfolgserlebnisse sowohl für den Trainer als auch für die Kinder!

Welche Kurse werden angeboten?

„Die Nachfrage nach Kursen ist auf jeden Fall auch in Bezug auf andere Personengruppen gegeben“, so Ebner. „Ursprünglich zur Qualitätssicherung unserer eigenen Kurse habe ich zusammen mit der Sportunion 2014 die erste Übungsleiter*innen-Ausbildung im Skateboard-Bereich ins Leben gerufen und diese seither dreimal mit Teilnehmern*innen aus ganz Österreich durchgeführt. Einige haben meine Idee in ihren Heimatstädten super weiterentwickelt und seither jährlich in verschiedenen Teilen Österreichs mit dem Breitensport-Dachverband Sportunion durchgeführt. Dadurch hat sich das Kursangebot im ganzen Land stark verbreitert und qualitativ verbessert. Die Ausbildung wurde im Rahmen eines EU-Projekts auch schon in Liechtenstein umgesetzt.
Auch das Angebot unseres eigenen Vereins ist über die Jahre stark gewachsen. Mit dem Projekt TBE Flex sind wir inzwischen in fünf Kindergärten und zwei Volksschulen, ältere Kinder kommen über das Tiroler Schulsport-Service mit ihren Klassen im Rahmen des Turnunterrichts in die Skatehalle Innsbruck, wo wir auch Schnupperkurse in allen Schulferien anbieten. Auch für spezifische Nutzer*innen-Gruppen wie geflüchtete Minderjährige, im Inklusionsbereich oder auch für FLINTA*-Personen haben wir gesonderte Angebote. Und in unserer vereinseigenen, kleinen Skatehalle bieten wir auch ganz normale Kurse für Kinder und inzwischen auch für deren Eltern an.

Die Kinder sowie der Trainer genießen die Erfolgserlebnisse.

(c) Rechte an allen Fotos: Patrizia Bartl 

aus Wikipedia de.wikipedia.org/wiki/Propriozeption: Propriozeption, auch Propriorezeption, (von lateinisch proprius „eigen“ und recipere „aufnehmen“) bezeichnet die Wahrnehmung von Körperbewegung und -lage im Raum oder der Lage einzelner Körperteile zueinander. Es handelt sich somit um eine Eigenempfindung)

Literatur

Skateboard Club Innsbruck

Seit 2012 engagiert sich der Verein für die Skateboardszene in Innsbruck und Umgebung – seit Herbst 2018 unter dem Namen Skateboard Club Innsbruck. Der Name ist Programm: Der Verein vertritt die Interessen der Skaterinnen und Skater gegenüber Politik und engagiert sich für eine Skatehalle, veranstaltet Skateboard-Contest und organisiert Kurse und Workshops zur Nachwuchsförderung.

Patrizia Bartl
Patrizia Bartl Mag. Bed

Patrizia Bartl ist Grundschullehrerin, Erziehungs- und Bildungswissenschafterin, Dozentin am Institut für Elementar- und Primarpädagogik an der Pädagogischen Hochschule Tirol und pädagogische Begleitung des Sparkling Science Projekts zur CO₂ Umwandlung: Vom schädlichen Abgas zur Ressource – CO₂ als wertvoller Rohstoff

Dieser Artikel erscheint unter Creative Commons, BY-NC-ND.

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